In zahlreichen Wohnungen ist übermäßige Feuchtigkeit ein unauffälliger Mitbewohner.
Bevor ein kostspieliger Luftentfeuchter angeschafft wird, lohnt sich eine überraschend unkomplizierte Möglichkeit: Einige Zimmerpflanzen entziehen der Raumluft einen Teil ihrer überschüssigen Feuchtigkeit. Besonders eine tropische Schönheit hebt sich dabei ab und lässt selbst Pothos und Orchideen hinter sich.
Wenn Luftfeuchtigkeit zum Problem wird
Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit gehört in Deutschland zum Wohnalltag – insbesondere in Altbauten, unzureichend gedämmten Wohnungen oder kleinen fensterlosen Bädern. Die Auswirkungen werden oft rasch sichtbar:
- Textilien und Möbel riechen muffig.
- Fensterscheiben beschlagen, Fensterlaibungen werden feucht.
- Schimmel entsteht in Fugen, hinter Schränken oder an kalten Außenwänden.
- Die Raumluft kann Allergiker und Menschen mit Atemwegsproblemen reizen.
Viele Menschen setzen dann auf chemische Entfeuchter, Salzbehälter oder teure elektrische Geräte. Einen Teil des Problems kann jedoch ein wesentlich angenehmerer „Mitbewohner“ abfedern: die passende Zimmerpflanze.
Eine bestimmte Tropenpflanze nutzt ihre breiten Blätter wie kleine Schwämme und nimmt damit Feuchtigkeit direkt aus der Raumluft auf.
Die heimliche Feuchte-Expertin: Calathea
Im Fokus steht eine Zimmerpflanze, die sich in den vergangenen Jahren ohnehin zum Liebling im Interior-Bereich entwickelt hat: die Calathea, die im Handel häufig auch als „Korbmarante“ angeboten wird. Ihre Heimat sind die tropischen Regenwälder Südamerikas, in denen dauerhaft eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht.
An genau diese Umgebung ist sie optimal gewöhnt – ein Vorteil, der sich in der Wohnung gleich in zweifacher Hinsicht nutzen lässt:
- Sie gedeiht an Standorten, die für viele andere Pflanzen zu feucht wären.
- Über ihre Blätter nimmt sie Wasser aus der umgebenden Luft auf.
- Sie unterstützt die Luftreinigung, indem sie Schadstoffe aus der Luft filtert.
Gegenüber Pothos oder Orchideen überzeugt die Calathea besonders in Zimmern, die dauerhaft etwas feucht und eher dunkel sind. Damit eignet sie sich gerade für Bereiche, in denen zahlreiche andere Zimmerpflanzen schnell schwächeln.
Warum Calathea in feuchten Räumen überzeugt
Mehrere Eigenschaften machen die Pflanze nahezu zur Idealbesetzung für feuchte Wohnungen:
Feuchte Luft statt trockener Heizungsluft
Während viele Zimmerpflanzen im Winter unter trockener Heizungsluft leiden, fühlt sich die Calathea in einer leicht feuchten Umgebung besonders wohl. Hohe Luftfeuchtigkeit belastet sie nicht, sondern trägt zu ihrem Wohlbefinden bei.
Schattenverträglich und daher fürs Bad geeignet
Die meisten Blühpflanzen und Sukkulenten benötigen viel Licht. Die Calathea hingegen kommt auch mit wenig Sonnenlicht zurecht. Ein helles Bad ohne direkt einfallendes Licht, ein Flur mit Oberlicht oder eine Küche mit Nordfenster sind daher Standorte, an denen sie erstaunlich gut gedeihen kann.
Viele Halter berichten: Dort, wo andere Pflanzen eingehen, hält die calathea lange durch – vorausgesetzt, es ist warm und die Luft ist leicht feucht.
Optischer Vorteil: Muster statt schlichtem Grün
Neben ihrem praktischen Nutzen spielt auch ihr Aussehen eine wichtige Rolle. Calathea-Arten bieten spektakuläre Blattzeichnungen, die von feinen hellgrünen Streifen bis zu tief dunkelgrünen Flächen mit violetter Blattunterseite reichen. Die Pflanze kann somit nicht nur das Raumklima verbessern, sondern bringt auch echtes Design-Potenzial mit.
Pflege: empfindlich wirkend, aber überraschend einfach
Auf den ersten Blick erscheint die Calathea anspruchsvoll. Tatsächlich ist sie robuster, als viele vermuten, sofern einige grundlegende Regeln eingehalten werden.
Gießen: gleichmäßig, aber ohne Staunässe
- Die Erde sollte durchgehend leicht feucht sein.
- Staunässe im Übertopf muss unbedingt vermieden werden.
- Im Winter braucht die Pflanze etwas weniger Wasser, wenn sie langsamer wächst.
Wird das Gießen einmal für einen Tag vergessen, ist das meist unproblematisch. Die Blätter können vorübergehend hängen, richten sich nach dem Wässern jedoch in der Regel wieder auf. Erst wenn das Substrat vollständig austrocknet und mehrere Tage trocken bleibt, wird es kritisch.
Standort: warm und zugluftgeschützt
Calathea benötigt Wärme: Bei Temperaturen unter 18 Grad fühlt sie sich nicht wohl. Optimal sind 20 bis 24 Grad. Kalte Zugluft am Fenster oder ein Standort direkt neben der Haustür sind ungeeignet. Besser passen geschützte Raumecken, gerne in der Nähe von Bereichen, die Feuchtigkeit erzeugen, etwa Dusche oder Spüle – jedoch nicht unmittelbar daneben.
Licht: hell bis halbschattig, niemals pralle Sonne
Direkte Mittagssonne kann die Blätter schnell verbrennen. Deutlich besser eignet sich ein Platz mit indirektem Licht, beispielsweise rund einen Meter vom Fenster entfernt oder hinter einem leichten Vorhang. In sehr dunklen Zimmern kann bei Bedarf eine kleine Pflanzenlampe helfen.
Weitere Pflanzen, die der Luft Feuchtigkeit entziehen
Wer mehrere Pflanzen aufstellen möchte oder keinen Platz für eine große Calathea hat, findet einige geeignete Alternativen. In Gartencentern und Baumärkten gibt es verschiedene Arten, die mit feuchter Luft ebenfalls gut zurechtkommen und sie teilweise reduzieren können:
- Spathiphyllum (Friedenslilie) – verträgt feuchte Erde und hohe Luftfeuchtigkeit, zudem blüht sie weiß.
- Chlorophytum comosum (Grünlilie) – ist sehr pflegeleicht, passt gut in Küche und Bad und vermehrt sich rasch.
- Aglaonema – dekoratives Blattgrün, das schlechtere Lichtverhältnisse toleriert und warme, leicht feuchte Räume mag.
- Palmfarnähnliche Arten wie Bambuspalme – verfügen über viele Blattflächen, die Wasser aufnehmen können und den Raum optisch auflockern.
Ein über mehrere Räume verteilter Mix dieser Arten kann das Raumklima merklich angenehmer gestalten. Konsequentes Lüften können Pflanzen zwar nicht vollständig ersetzen, doch sie fungieren als natürlicher Puffer gegen Spitzen bei der Luftfeuchtigkeit.
Pflanzen und Lüften sinnvoll kombinieren
Ein gesundes Raumklima entsteht durch das Zusammenspiel von richtigem Lüften, Heizen und Pflanzen. Für den Alltag bietet sich folgender Ansatz an:
- Morgens und abends jeweils 5–10 Minuten stoßlüften, besonders nach dem Duschen oder Kochen.
- Die Temperatur in feuchten Räumen bei etwa 20 Grad halten, damit die Wände nicht auskühlen.
- In Bad, Küche und Schlafzimmer feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Calathea, Spathiphyllum oder Grünlilie aufstellen.
Auf diese Weise gelangt der größte Teil der Feuchtigkeit nach draußen. Pflanzen nehmen die verbleibende Restfeuchte auf und filtern zugleich Schadstoffe aus der Raumluft.
Wann Zimmerpflanzen nicht mehr ausreichen
Trotz ihrer Vorteile haben Pflanzen klare Grenzen. Wenn sich bereits großflächige Schimmelflecken bilden oder Putz von der Wand bröckelt, können Zimmerpflanzen keine Sanierung ersetzen. Dahinter stehen häufig bauliche Ursachen wie Wärmebrücken, fehlende Dämmung oder undichte Stellen.
Bei üblicher Alltagsfeuchte durch Duschen, Kochen oder Wäschetrocknen können Pflanzen jedoch spürbar entlasten. Viele Mieter berichten, dass muffige Gerüche nachlassen und die Fenster seltener tropfnass sind, seit mehrere feuchtigkeitsliebende Pflanzen in Bad oder Küche stehen.
Praxis-Tipp: die richtige Calathea auswählen
Im Handel sind unterschiedliche Sorten erhältlich, die sich bei Blattfarbe und Wuchshöhe unterscheiden. Drei beliebte Varianten für feuchte Räume sind:
| Variante | Merkmal | Geeigneter Raum |
|---|---|---|
| Calathea orbifolia | Sehr große, rundliche Blätter mit silbrigen Streifen | Wohnzimmer, größeres Bad |
| Calathea lancifolia | Längliche, gelb-grüne Blätter mit dunklen Tupfen | Schmale Bäder, Flure |
| Calathea roseopicta | Runde Blätter mit violetter Unterseite | Schlafzimmer, dunklere Ecken |
Wer erstmals eine Calathea kauft, ist oft mit einer mittelgroßen Pflanze aus dem Gartencenter besser beraten als mit Minipflanzen aus dem Supermarkt. Größere Exemplare verzeihen Pflegefehler leichter und können die Luftfeuchtigkeit spürbarer regulieren.
Calathea und ihre „Feuchte-Partner“ wie Spathiphyllum oder Grünlilie verbinden seltene Vorteile: Sie sehen ansprechend aus, sind vergleichsweise pflegeleicht und können zugleich messbar zu einem gesunden Raumklima beitragen – insbesondere in Wohnungen, in denen Feuchtigkeit bislang vor allem Probleme verursacht hat.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen