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IKEA schließt erstmals einen Großmarkt und streicht 1.600 Stellen

Mitarbeiter im Lager kontrolliert Pakete mit Tablet und Papier vor Regalen mit Möbeln und Kartons.

IKEA schließt erstmals seit 1983 eines seiner prägenden Großmöbelhäuser und streicht zugleich 1.600 Arbeitsplätze. Der schwedische Konzern steckt in einer ernsten Krise, die einen radikalen Strategiewechsel erforderlich macht. Woran liegt das?

Ein Paukenschlag: IKEA wird zum ersten Mal seit 1983 einen seiner Märkte schließen. Betroffen ist der Standort Borlänge, einige Kilometer nordwestlich von Stockholm in Schweden. Das 2013 eröffnete Einrichtungshaus umfasst 31.000 Quadratmeter und beschäftigt rund 230 Menschen. Ihre Zukunft ist nun ungewiss: Ein Teil könnte in eine neue, kleinere Filiale in der Region wechseln, doch die Unternehmensführung hat sich bislang nicht auf konkrete Zahlen festgelegt.

Der blau-gelbe Konzern hat zudem angekündigt, in den kommenden Monaten 1.600 Stellen abzubauen, davon 945 in Schweden. Hintergrund ist ein Gewinnrückgang von mehr als 30 %, ein harter Einschnitt für ein Unternehmen, das lange für Stabilität und kontinuierliches Wachstum stand.

Über mehrere Jahrzehnte hinweg schien IKEA gegenüber Krisen nahezu unempfindlich zu sein. Das Erfolgsrezept wirkte unschlagbar: funktionale und preiswerte Möbel in hohen Stückzahlen, verkauft in riesigen Märkten, die Kundinnen und Kunden möglichst lange im Geschäft halten sollten. Genau dieses Konzept wird nun jedoch infrage gestellt.

Der Aufstieg des E-Commerce

Der Rückschlag lässt sich durch das Zusammentreffen zweier Entwicklungen erklären, die den gesamten Möbelhandel betreffen. Während der Lockdowns gestalteten Menschen in Frankreich ebenso wie viele andere Europäerinnen und Europäer ihre Wohnungen umfangreich um, wodurch die Möbelverkäufe stark anstiegen. Die Kehrseite folgte unmittelbar: Danach gingen die Käufe erwartungsgemäß zurück. Auch die Krise am Immobilienmarkt verschärft die Lage, da sie den Bedarf an neuen Möbeln automatisch verringert.

Wenig überraschend spielt ebenfalls der wachsende E-Commerce eine entscheidende Rolle. In Frankreich, dem weltweit drittgrößten IKEA-Markt, werden inzwischen fast 29 % des Umsatzes online erzielt, gegenüber 10 % vor der Pandemie: Nahezu jeder dritte Verkauf erfolgt, ohne dass Kundinnen und Kunden einen Markt betreten. Unter diesen Voraussetzungen rechnen sich riesige Verkaufsflächen immer weniger.

Neue IKEA-Strategie

Als Reaktion auf diese Umbrüche bereitet IKEA einen grundlegenden Wandel seines Modells vor. Das Ziel besteht darin, die riesigen Einrichtungshäuser durch deutlich kompaktere Formate mit 2.000 bis 4.000 Quadratmetern zu ersetzen, die in Innenstädten oder Einkaufszentren großer Supermärkte angesiedelt werden. Von den berühmten Fleischbällchen wird man sich allerdings verabschieden müssen.

Der schwedische Riese setzt außerdem auf Logistik und baut automatisierte Lager aus, in denen Roboter die Bestände verwalten, bevor die Ware nach Hause geliefert wird. Damit orientiert sich das Unternehmen bewusst an einem Modell, das dem von Amazon ähnelt.

Unsere Analyse

Ist diese Wette tatsächlich erfolgversprechend? Kleine urbane Ladenformate wurden bereits von anderen Möbelhändlern wie Habitat oder Maisons du Monde ausprobiert, ohne wirklich zu überzeugen. IKEA besitzt allerdings einen Vorteil, der seinen Wettbewerbern fehlt: eine weltweit bekannte Marke und eine treue Kundschaft.

Einen Konzern dieser Größenordnung in ein agiles Handelsunternehmen zu verwandeln, bleibt dennoch eine riskante Aufgabe. Ob die Strategie funktioniert, muss sich erst noch zeigen.

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