Hitze, trockene Luft und fehlender Wasserdurchfluss bringen den Zustand von Abflüssen rasch aus dem Gleichgewicht. Dann treten unangenehme Gerüche auf, teils begleitet von aufsteigender Feuchtigkeit oder Gasen. Mit einem einfachen Trick lässt sich das ohne aggressive Mittel und ohne Werkzeug begrenzen.
Warum das Spülbecken nach einigen Wochen riecht
Die Ursache sitzt unter dem Ablauf: im Siphon. Seine Biegung hält einen Wasservorrat zurück, der als „Geruchsverschluss“ bezeichnet wird. Dieser Flüssigkeitspfropfen hält Kanalgase und geruchsbildende Moleküle ab. Im Sommer verdunstet das Wasser deutlich schneller. In einer trockenen Wohnung bei 28–32 °C kann der Geruchsverschluss innerhalb von zwei bis drei Wochen austrocknen. Eine starke Lüftungsanlage oder Zugluft verstärken den Wasserverlust durch den Sog zusätzlich.
Wird der Geruchsverschluss niedriger, überwiegt der Luftstrom aus der Abwasserleitung. Gerüche gelangen dann in den Raum; manchmal sind auch ein leises Pfeifen oder „Gluckergeräusche“ zu hören, wenn in einem anderen Zimmer gespült wird. Haushaltssiphons verfügen meist über einen Geruchsverschluss von etwa 50 mm. Ist diese Höhe verloren gegangen, besteht keine Barriere gegen Gerüche mehr.
Ziel vor der Abreise: die Verdunstung verhindern und in jedem Siphon mindestens 50 mm Geruchsverschluss erhalten.
Anzeichen für einen verdunsteten Geruchsverschluss
- Geruch nach Eiern, Keller oder Kanalgas in der Nähe von Spülbecken oder Dusche.
- Sauggeräusche in den Leitungen, wenn ein anderes Gerät Wasser ablässt.
- Kleine Fliegen, die sich besonders in der Küche am Ablauf sammeln.
Das günstige und clevere Glas-Papier-System
Dabei handelt es sich um eine physische Barriere, die das Spülbecken praktisch „unter eine Glocke“ setzt. Vor der Abreise wird ein Blatt Küchenpapier angefeuchtet, auf den Ablauf gelegt und anschliessend ein Glas umgedreht darübergestellt. Das feuchte Papier haftet an und reduziert den Luftaustausch. Die unter dem Glas eingeschlossene Luft ist rasch mit Wasserdampf gesättigt, wodurch die Verdunstung aus dem Siphon stark verlangsamt wird.
Diese Lösung kostet nichts, ist in einer Sekunde entfernt und beschädigt den Ablauf nicht. Sie eignet sich für Spülbecken, Waschbecken und Bidets. Bei Duschen mit Ablaufgitter erfüllen eine umgedrehte Schüssel oder ein kleines Becken denselben Zweck.
Zwei Minuten Vorbereitung, keine Produkte und 2 bis 4 Wochen weniger Verdunstung – abhängig von der Umgebungstemperatur.
Anleitung Schritt für Schritt
- Den Siphon auffüllen: 10 bis 20 Sekunden lauwarmes Wasser laufen lassen, damit sich der Geruchsverschluss wieder bildet.
- Den Ablauf säubern: Abfälle und Fettreste entfernen, die während Ihrer Abwesenheit gären könnten.
- Ein Blatt Küchenpapier befeuchten und flach auf die Öffnung legen.
- Ein sauberes Glas über dem Papier umdrehen und auf einen sicheren Stand achten.
- Den Vorgang an jeder Wasserstelle wiederholen: Spülbecken, Waschbecken, Dusche, Badewanne sowie Überläufe.
Was die Methode tatsächlich bewirkt
Sie beeinflusst Konvektion und Feuchtigkeitsgefälle. Weil der Luftstrom direkt am Ablauf reduziert wird, gibt das Wasser im Siphon weniger Moleküle an die Raumluft ab. Die Luft unter dem Glas sättigt sich, wodurch der für die Verdunstung relevante Dampfdruck sinkt. Selbst bei sehr heissem Wetter bleibt die Höhe des Geruchsverschlusses dadurch länger erhalten.
Weitere schnelle Massnahmen vor dem Abschliessen der Tür
Bei längerer Abwesenheit oder in sehr trockenen Räumen lässt sich die „Glocke“ mit weiteren unkomplizierten Massnahmen ergänzen. Einige davon verlängern den Schutz ohne Aufwand, andere reinigen das Innere der Rohre.
- Einen Esslöffel Öl in den Ablauf geben: Das Öl schwimmt obenauf und verringert die Verdunstung des darunterliegenden Wassers.
- Bei längerer Abwesenheit Mineralöl oder Glycerin verwenden: Diese Flüssigkeiten werden weniger schnell ranzig als Pflanzenöle.
- Am Vortag mit Haushaltsessig spülen: 200 ml pro Spülbecken einfüllen, einwirken lassen und danach etwas heisses Wasser nachgiessen. Niemals mit Chlorbleiche vermischen.
- Ablaufkorb und Dichtung reinigen: Organische Ablagerungen an der Oberfläche sind die häufigste Geruchsquelle.
- Die Türen von Geschirrspüler und Waschmaschine einen Spalt offen lassen: Das bremst Schimmelbildung an den Dichtungen.
- Die Überläufe von Waschbecken und Spülbecken nicht vergessen: Auch sie lassen sich mit einem umgedrehten Becher schützen.
- Silikonkappen auf selten genutzte Abläufe setzen: besonders sinnvoll in Ferienwohnungen oder Zweitwohnungen.
| Methode | Umsetzung | Geschätzter Schutz | Achtung |
|---|---|---|---|
| Glas + feuchtes Papier | 2 Min. pro Ablauf | 2 bis 4 Wochen | Glas standsicher platzieren, Stösse vermeiden |
| Ein Löffel Pflanzenöl | Nach dem Wasserlaufen eingiessen | 3 bis 6 Wochen | Nach mehr als 6–8 Wochen besteht das Risiko ranzigen Geruchs |
| Mineralöl/Glycerin | 1 bis 2 Esslöffel | Bis zu 2 Monate | Produkte in Lebensmittelqualität verwenden |
| Silikonstopfen/Frischhaltefolie | Direkt auf den trockenen Ablauf legen | Mehrere Wochen | Vor der Nutzung unbedingt entfernen |
| Siphon-Nachspeiser (Trap-Primer) | Montage durch einen Installateur | Dauerhaft | Installationskosten |
Was Sie vermeiden sollten
- Essig und Chlorbleiche mischen: Dabei können gefährliche Gase entstehen.
- Vor einer langen Abreise stark ätzende „Power“-Reiniger einfüllen: Sie bleiben in den Leitungen stehen und greifen Dichtungen sowie Metalle an.
- Lebensmittel- oder Seifenreste im Ablauf zurücklassen: Gärung ist dann vorprogrammiert.
- Bodenabläufe in Garage, Waschküche oder ebenerdiger Dusche übersehen: Sie sind ideale Eintrittswege für Gerüche.
Wenn alle Abflüsse der Wohnung behandelt werden – auch jene, die fast nie genutzt werden –, verhindert das, dass eine einzige Geruchsquelle den gesamten Aufwand zunichtemacht.
Wie viel Wasser im Sommer tatsächlich verdunstet
Eine hilfreiche Grössenordnung: Ein Siphon enthält oft 150 bis 300 ml Wasser und hat einen Geruchsverschluss von rund 50 mm. In einem Raum mit 30 °C und 40 % Luftfeuchtigkeit können je nach örtlicher Lüftung täglich 5 bis 10 ml verdunsten. Nach 15 Tagen ergibt das einen Verlust von 75 bis 150 ml – genug, um die Barriere aufzuheben. Eine „Glocke“ und eine dünne Ölschicht verringern diesen Verlust um ein Mehrfaches.
Die Methode an Ihre Wohnung anpassen
Küchenspülbecken: Hier entstehen Gerüche besonders häufig, weil Fette haften bleiben. Den Ablauf reinigen und anschliessend die Kombination aus Glas und Papier anwenden. Dauert die Abwesenheit länger als drei Wochen, zusätzlich einen Löffel Öl einfüllen.
Waschbecken und Badewanne: Besonders auf die Überläufe achten. Mit einer Spritze lässt sich Wasser mit etwas Essig in diesen Kanal geben, bevor ein Becher über die Hauptöffnung gestellt wird.
Dusche mit Duschrinne: Eine Schüssel oder ein leichtes Becken mit einem feuchten Blatt darunter auf das Gitter setzen. Prüfen, ob während der Abwesenheit kein automatischer Ablauf erfolgt, etwa durch Enthärtungsanlage oder Geräteentleerung.
Wenn die Gerüche nach der Rückkehr bleiben
- Je 2 Liter sehr heisses Wasser in jedes Spülbecken und jede Dusche laufen lassen.
- 200 ml Haushaltsessig einfüllen, 30 Minuten einwirken lassen und danach nachspülen.
- Den Siphon abschrauben und reinigen, sofern der Zugang dafür vorgesehen ist.
- Die Hauptentlüftung prüfen: Fehlt die Entlüftung der Fallleitungen, können in einem Haus Unterdruck und das Leersaugen von Siphons entstehen.
Wann ein Fachbetrieb nötig ist
Bleiben Gerüche trotz vollem Geruchsverschluss bestehen, treten wiederholt Sauggeräusche auf, läuft beim Start der Waschmaschine Wasser in die Dusche zurück oder leert sich der Siphon von selbst, deuten diese Hinweise auf ein falsches Gefälle, eine tiefer liegende Verstopfung oder eine fehlende Fallleitungsentlüftung hin. Eine fachliche Diagnose verhindert wiederholte Behelfslösungen und stabilisiert das Abwassersystem dauerhaft.
Nützliche Hinweise für die nächste Abreise
Am Vortag einen „Probelauf“ machen: Siphons auffüllen, Gläser aufsetzen, Überläufe kontrollieren und Geräte abschalten, die automatisch Wasser abführen, etwa Hebeanlagen oder Luftentfeuchter. Das Datum notieren. Bei der Rückkehr die Abdeckungen entfernen, 30 Sekunden Wasser laufen lassen und 10 Minuten lüften.
Ein Nachbar kann einmal pro Woche vorbeikommen und an jeder Wasserstelle 10 Sekunden Wasser laufen lassen. Dieser kurze Besuch genügt, um den Geruchsverschluss zu erhalten. In sehr warmen Wohnungen erhöht ein Wasserbehälter im Raum die Luftfeuchtigkeit und bremst damit die Verdunstung in den Siphons.
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